Krisen, Klima, Kostendruck: Wohin steuert die Biolandwirtschaft?

Shownotes

In der Auftaktfolge des neuen Bioland-Podcasts Auf gutem Grund. Bio. Praxis. Wissen. spricht Journalistin und Host Katja Stephan mit Bioland-Präsident Jan Plagge: Die beiden nehmen mit auf eine Reise durch die großen Herausforderungen und Chancen der ökologischen Landwirtschaft.

Es geht um wirtschaftlichen Druck und wahre Preise, politische Hürden und Krisen, die Macht der Gemeinschaft und die Frage, warum Bio mehr ist als ein Trend. Jan Plagge zeigt auf, welche Rolle der Ökolandbau in einer Zeit spielen kann, in der Resilienz, Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung immer wichtiger werden.

Mit persönlichen Einblicken, ehrlichen Antworten und klaren Forderungen an Politik und Gesellschaft. Jetzt direkt reinhören und erfahren, warum Biolandbau zum Stabilitätsanker unserer Zeit werden kann warum Mut und Zusammenhalt wichtiger denn je sind.

Themen dieser Episode im Überblick:

  • ✅ Marktentwicklung und wahre Preise
  • ✅ Klima- und Umweltkrisen
  • ✅ Regionale Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und Resilienz
  • ✅ Gemeinsame europäische Agrarpolitik
  • ✅ Neue Gentechnik
  • ✅ Empowering Consumers-Richtlinie
  • ✅ Perspektiven und Chancen für Bioland-Betriebe

Unsere Gesprächspartner:innen

Jan Plagge: Präsident von Bioland und Council Chair des europäischen Bio-Dachverbandes von IFOAM Organics Europe

Katja Stephan: Journalistin und Host des Bioland-Podcasts

Shownotes

Jetzt Auf gutem Grund. Bio. Praxis. Wissen. über die bevorzugte Podcast-Plattform abonnieren und keine neue Episode verpassen.

Transkript anzeigen

00:00:01: Wo ich wirklich genervt und auch wütend bin, ist es die Politik.

00:00:05: Wenn Sie schon von der Fleischindustrie, von den Ökoverbänden, von dem Umweltverbändten, vom Tierschutzverbändnen, von Kürchen und uns so viel gesellschaftliche Rückendeckung bekommen, dass sie dann nicht in Gesetz schreiben und das über den Widerstand einer Bildzeitungen oder Springerpresse aushalten können – zwei bis drei Monate und sagen, es tragen alle mit!

00:00:27: Das ist richtig und wir gehen jetzt gemeinsam diesen

00:00:29: Weg.".

00:00:32: Auf gutem Grund.

00:00:34: Bio. Praxis. 

00:00:36: Wissen.

00:00:37: der Podcast von Bioland Welchen Weg Biolandpräsident Jan Plagge genau meint und was ihn da so in Rage bringt?

00:00:48: Darüber reden wir in der ersten Folge.

00:00:51: Mein Name ist Katja Stefan Ich bin Journalistin und moderiere diesen Podcast Und ich wollte von Jan wissen Wo sieht er stärken der ökologischen Landwirtschaft zwischen Spannungen weltweit Inflation im eigenen Land und der Klimakrise, die auch auf dem eigenen Acker in diesem Sommer zu spüren war.

00:01:10: Auf der Suche nach Antwort nehme ich Jan gedanklich mit zum Einkaufen in den Discounter.

00:01:15: Wir sprechen über den Preis und den Wert von Lebensmitteln.

00:01:19: Wir machen einen kleinen Abstecher nach Brüssel und bewerfen gemeinsam einen Blick auf Jans Brotdose in der Schulzeit.

00:01:27: Neugierig?

00:01:28: Dann wünsche ich euch jetzt viel Spaß beim Zuhören!

00:01:35: Hallo Jan, schön dass du da bist.

00:01:37: Ja, freut mich auch.

00:01:38: Die meisten Zuhörerinnen und Zuhörer werden dich vermutlich kennen.

00:01:42: Du bist ja seit Jahrzehntausend elf Präsident von Bioland... ...und Council Chair von EFU-Arm Organics Europe.

00:01:48: Was das genau bedeutet?

00:01:49: Das wirst du uns später noch genauer erklären!

00:01:52: Um dich jetzt noch etwas besser kennenzulernen würde ich gerne mit dir zurück in die siebziger Jahre reisen.

00:01:58: Du warst neunzehnundeteinundseitzig geboren und damals war bei euch zu Hause einiges los in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

00:02:06: Das lag an deinen Eltern, richtig?

00:02:08: Ja genau.

00:02:10: Meine Eltern kommen nicht aus der Landwirtschaft.

00:02:14: die Großeltern hatten schon noch landwirtschaftliche Betriebe aber das Thema Gesundheit war bei uns in einer Familie ganz... zentrales Thema.

00:02:23: Naja, und erst fing das an im Ende der Sitzigerjahre mit Vollwertkost dass man bei uns morgens dann zum Frühstück kein Brot mehr gegessen hat sondern nicht nur Müsli, sondern eben den Schrotbrei und Brot gebacken hat.

00:02:35: und da war natürlich die Frage ja wo kommt das Getreide her?

00:02:38: Bio war ja noch überhaupt nicht bekannt geschweige denn, dass man es irgendwo kaufen konnte zumindest nicht bei uns auf dem Land.

00:02:43: und meine Eltern haben dann einfach gefragt okay wo kriegen wir's her?

00:02:46: haben Kontakt zu einer Mühle, das war bei uns die Bohlen seiner Mühlesucht und wurden dann mit Getreide beliefert.

00:02:52: Haben sich mit anderen Familien verbunden denn waren nicht nur irgendwie fünfzig oder hundert Kilo Getreiden in Keller sondern gleich tausend oder zweitausend weil wir da ein Familien-Sammelpunkt wurden für ganz viele Familien die bei uns dann das Getreid bestellt und abgeholt hatten und so ging es immer weiter.

00:03:10: Dann kam Makrobiothek Anfang der achtziger Jahre dazu.

00:03:14: wie konnte man dann überhaupt die makrobiotischen Lebensmitteln, die man heute als Trennfut sind.

00:03:21: Die Algen, die Noris für die Sushi's... Das war mein Pausenbrot!

00:03:25: Die haben wir dann selber gemacht weil man als Makrobiot kein Brot mehr gegessen hat.

00:03:30: und all das musste ja beschafft werden.

00:03:32: und so haben wir unseren Naturkostvertrieb in den Achtzigerjahren aufgebaut.

00:03:36: mitten in meiner Jugend wurde ich quasi da mit meiner Mutter zu einem kleinen Kaufmann und habe bestellt, abgepackt sehr geprägt, auch die Verbindungen dann mit den Lieferanten.

00:03:47: Das klingt auf jeden Fall nach einer sehr interessanten Kindheit und mich würde interessieren wie hat dich das geprägt?

00:03:53: Weil es waren ja dann richtige Pioniere deiner Eltern!

00:03:56: Ja mit vielen anderen auch.

00:03:58: Mich hat es gepräagt also einmal natürlich meine Eltern selber aber auch das ganze Umfeld.

00:04:03: wir waren dann auf den frühen Biofachmessen In Wiesbaden, da durfte ich auch als Jugendlicher dann schon mit.

00:04:11: Wir waren in Sommercams wo wir uns ausgetauscht haben.

00:04:13: Ich habe diese ganze Pionierszene als Kind als Jugendliche mitbekommen und das hat mich total motiviert.

00:04:21: Was mich geprägt hat war immer es ist möglich was zu machen.

00:04:25: man erkennt ein Thema im Gesundheit oder gesunde Lebensmittel eine Landwirtschaft ohne Pestizide.

00:04:32: Was mich geprägt hat, war immer wenn es genug Leute gibt die was anpacken und was machen dann funktioniert das auch.

00:04:38: Jetzt wollen wir ja heute in dem Podcast über die agrarpolitische Lage sprechen und da fällt es wahrscheinlich nicht immer so ganz leicht sich dieses Wir schaffen das auf die Fahnen zu schreiben oder daran zu glauben wie viel Pessimist steckt denn in dir?

00:04:51: Und wie viel Optimists

00:04:53: So der Wissenschaftler in mir Der ist schon ziemlich pessimistisch, weil wenn man mal diese Systeme die Einzelnen und auch die globalen Systeme sieht.

00:05:02: Dann dann sieht man aufgrund der Fakten und der Entwicklungen dass wir als Menschen Menschheit viel zu langsam handeln das wir aus den Erkenntnissen die wir eigentlich wissen viel zu langsam in die Tat kommen vor allem gemeinsam und dass wir offensichtlich auch Angst voreinander haben dann die falschen Schritte zu schnell zu tun zu viel fürs Thema zu tun und dann wieder wirtschaftlich im Nachteil zu sein.

00:05:23: Da bin ich eher pessimistisch, wenn ich mir die rein die Fakten angucke.

00:05:28: Von Mensch zu meinem Wesen her bin ich immer optimist, sonst würde ich mich auch gar nicht für Verbandsarbeit von tausenden Betrieben einsetzen können.

00:05:37: Ich glaube fest daran dass Menschen, die was machen wollen, die etwas anpacken, den positiven Geist haben das Ruder noch rumreißen können, dass wir das zusammen schaffen können egal in welcher Region dieser Welt.

00:05:49: Ja, weil also die Hoffnung ist es, die mich antreibt und ich halte es da ganz mit meinem protestantischen Ursprung.

00:05:57: Wenn ich wüsste auch dass morgen die Welt untergeht dann würde ich heute noch ein Apfelbaum pflanzen.

00:06:02: Also das ist das was auch mein Leben prägt.

00:06:04: Okay und die Einstellung kann heute bei dem Gespräch auf jeden Fall nicht schaden denke ich, weil das viele Herausforderungen und auch Sorgen und Nöte der Landwirtinnen und Landwirte gibt.

00:06:12: darüber brauchen wir sicherlich nicht diskutieren.

00:06:15: Nicht würde aber interessieren, welche Lösungsvorschläge du hast und wo du vielleicht auch Chancen siehst für die Biolandwirtschaft.

00:06:26: Am Anfang würde ich dich bitten wir folgende Szene vorzustellen.

00:06:29: Du bist Landwirt auf einem Bio-Betrieb irgendwo in Bayern.

00:06:33: Sagen wir, sechzig Hektar Ackerbau dazu fünfzig Biomilchkühe ist es.

00:06:38: früher morgens, du bist gerade aufgestanden hast die erste Tasse Kaffee vor dir und da liegt auf dem Küchentisch ein Anzeigenblättchen vom Supermarkt um die Ecke und der wirbt mit verdarmer Bio-Milch.

00:06:49: Und der Liter kostet da ein Euro für zwanzig.

00:06:53: Was denkst du spontan, wenn Du das liest?

00:06:56: Naja, da ich offensichtlich einen Bioland Milchbauer bin, der hoffentlich auch noch Grünland neben dem Ackerbau hat, freu' ich mich erst mal, dass ich sehe, dass meine Produkte breit in der Bevölkerung beworben werden.

00:07:09: und zu dem Preis schaue ich zwar drauf Aber das Entscheidende für mich ist meine Milchgeldabrechnung.

00:07:17: Und die habe ich ja im letzten Monat bekommen.

00:07:20: und solange der Preis, ich kenne auch meine Produktionskosten so lange der Preis so nah wie möglich an meinen Produktions kosten dran bin würde ich denken gut dass für die Biolandmilch Produkte und dem Joghurt Werbung gemacht wird weil das was ankommt bei mir als Milcherzeuger hat nicht immer unmittelbar was mit dem Inverkaufspreis, mit dem Verbraucherpreis zu tun.

00:07:46: Im Wettbewerb schon weil sich ja immer alle Anbieter an den niedrigsten Preisanbietern orientieren.

00:07:53: so funktioniert nun mal der Wett Bewerb.

00:07:55: deswegen erzeugt ein niedriger Preis natürlich eben einen entsprechenden Wett bewerbsdruck.

00:07:59: aber mir als Bioland Landwirt ist erstmal das Thema Erzeugerpreise das was meinen Alltag bestimmt.

00:08:07: Aber würdest du denn sagen, dass von diesen ein Euro und zwanzig genug bei den Landwirten ankommt?

00:08:11: Also das der Erzeugerpreis an sich hoch genug ist jetzt.

00:08:14: Wenn wir beim Beispiel Bio-Milch bleiben.

00:08:16: Aktuell beim Beispiel bio Milch bleiben.

00:08:18: also wir haben ja einen von Bioland.

00:08:20: jetzt seit Jahren versuchen wir genau diese Lücken so transparent wie möglich zu machen.

00:08:26: Und zwar für alle Beteiligten die Landwirte, die Molkereien aber vor allen Dingen auf den Einzelhändlern und dem Verhandler im Supermarkt inklusive dem Verbrauchern indem einen Orientierungspreis berechnen, der den durchschrittlichen Produktionspreis eines Michviehbetriebes von Bioland – das waren auch gemeinsam mit Demeter und Naturland – berechnet.

00:08:49: Und er als Grundlage der Verhandlungen dienen kann.

00:08:51: Das ist das, woran wir seit Jahren arbeiten.

00:08:56: Das bekannt ist was ein Landwirt bekommen muss wenn er sich auf seine Produktion, auf eine Nachhaltigkeit in nachhaltige ökologische Produktion konzentriert, in Biodiversität und Tierwohl investiert seine Böden aufbauen bewirtschaftet, das kostet Geld.

00:09:10: Die Produktionskosten muss ich kennen und die müssen Gegenstand der Verhandlungen für meinen Erzeugerpreis

00:09:16: sein.".

00:09:17: Also ganz generell ist es ja so unabhängig von der ob jetzt Biolandwirtschaft oder konventionelle Landwirtschaft dass man sagt, dass der Landwirt einfach eine sehr schwache Position hat gegenüber dem Handel also seine Preise nicht selbst bestimmen kann usw.

00:09:30: Wie unterstützt ihr denn jetzt als Verbands?

00:09:33: Eure Biolandwürde dabei, dass so eine Verhandlung vielleicht auch auf Augenhöhe passieren kann.

00:09:38: Also du hast jetzt von dem Milchpreis gesprochen aber wie macht ihr das auch in anderen Bereichen?

00:09:45: Na erst mal generell, dass wir bei Bioland nicht nur Produktionsrichtlinien für Milch- und Getreideerzeugung oder auch für die Herstellung von Käse sondern sie haben auch Vermarktungsrichtlinie.

00:09:56: Und in unseren Vermarkttungsrichtlingen steht klipp um klar drin, dass alle Beteiligten der Wertschöpfungskette Bio-Landqualität auf der Erzeugerseite in Wert setzen müssen.

00:10:07: Also das heißt übersetzt im Rahmen von Richtpreisen, Orientierungspreisen langfristigen Vertragsvereinbarungen Konditionen festlegen die die Kosten auf der erzeuger Seite, die sie brauchen zum Einhalten des Biolandstandards dass es auch erreicht werden kann.

00:10:23: Das ist sozusagen die Grundlage.

00:10:24: Das sind unsere unser heiliges Buch quasi das sind die Biolandrichtlinien.

00:10:29: jetzt ist ja die Frage wie wird es umgesetzt?

00:10:31: Umgesetzt wird es dann auch noch in weiteren feineren Regeln, zum Beispiel den Fair Play-Regeln oder den Verträgen die wir mit dem Lebensmittel Einzelhandel abschließen und unseren Verarbeitern.

00:10:43: Und wir haben permanente Fachgruppen und Diskussionskreise wo dieser Treffpunkt nicht erreicht wird dass wirklich die Produktionskosten nachhaltig gedeckt sind Und wie man da hinkommt und wo sie gedeckt sind, wo im Grunde genau diese Richtlinie dieser Auflage erfüllt ist.

00:11:02: Das kann man sagen also so dynamisch wie die Märkte, die Ernten, die Nachfrageentwicklung ist, kann man sich vorstellen dass das kein statischer Prozess ist sondern das arbeitet bei uns eine ganze Abteilung dran gemeinsam eben auch mit dem Ehrenamt.

00:11:20: Bioland war ja den ersten Verband der eine Partnerschaft mit einem großen Discounter eingegangen ist.

00:11:26: Wie ist da deine Bilanz?

00:11:27: War das die richtige Entscheidung?

00:11:29: Ja, das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

00:11:33: Was wollten wir damit erreichen?

00:11:35: Wir hatten aus den Jahren zwei tausendsechzehn, siebzehn und achtzehn ein extrem hohes Interesse an der Umstellung auf Bioland, auf ökologische Landwirtschaft allgemein.

00:11:45: also viele Betriebe wollten auf Ökolandbau einsteigen Und dann war für uns klar das Ziel wenn wir mehr betriebe haben und die Politik auch Ziele setzt in Richtung, um zu kommen.

00:11:58: Vier Prozent Ökolandbau in der gesamten EU, dreißig Prozent in Deutschland, dass wir auch die Bürgerinnen und Bürger mit in die Rechnung einbauen müssen.

00:12:07: Also sprich das auch der Konsum ansteigt ist auf Verbraucher ihr Einkaufsverhalten umstellen, dass sie Sortimente und Regale sich verändern.

00:12:15: Und Discounter-Drogarie Märkte der gesamte Liebesmittel Einzelhandel sind einfach die Einkaufsstädte wo achtzigfünfundachtzig Prozent der Lebensmittel umgesetzt werden.

00:12:23: Da wurden sowieso schon sehr viel Milch, Fleisch, Eier von unseren Bäuerinnen und Bauern verkauft.

00:12:29: Und das wollten wir sichtbar machen und auch gemeinsam in der Partnerschaft in Wert

00:12:33: setzen.".

00:12:33: Das hat jetzt die letzten acht Jahre sowohl vom Volumen als auch vom grundsätzlichen Geschäftserfolg sehr gut funktioniert!

00:12:41: Wie passt das zusammen?

00:12:42: Nachhaltige Bioprodukte geprüft und zertifiziert auf der einen Seite und auf der anderen Seite des Counter bei denen es ja eher um Masse und niedrige Preise geht – was sagst du

00:12:51: denen?!

00:12:52: Solange eben auch die Produktionsqualität wirklich im Wert gesetzt wird und es da keinen Standardbettbewerb nach unten gibt, solange das sichergestellt ist.

00:13:02: Ist es ja für die Verbraucher auch ein Vorteil dass sie an dem Ort wo Sie in der Regel einkaufen also Discounter kunden, dass sie dort eben auch eine gute heimische Bio Qualität erhalten?

00:13:13: Und das Stichwort von und gerade regionales heimisches Bio in die Breite der Gesellschaft zu bringen.

00:13:22: Weil wenn wir unsere Idee, dass wir eigentlich hundertprozent nachhaltige ökologische und sozialverträgliche Landwirtschaft brauchen, wenn wir das erreichen wollen dann müssen wir auch in die breite gehen.

00:13:35: Und hat das geklappt?

00:13:37: Naja bis lang hat es die ersten Jahre vor allen Dingen ja dann auch die jahre die dann folgen mit den Coronajahren vom Wachstum her sehr gut funktioniert.

00:13:49: In vielen Produktbereichen hat das auch mit der Kostendeckung sukzessive funktioniert, andere Bereiche da arbeiten wir noch dran.

00:13:57: jetzt gerade im frische Bereich ist es schwer zum Beispiel jetzt Orientierungspreise auszurechnen und dann haben wir auch ganz schwanken beernten.

00:14:03: also da arbeiten mir auch selber noch daran diese Systeme zu verbessern.

00:14:07: aber seit der Influationskrise merken wir dass der Preisdruck den ja die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft erreicht hat auch uns erreicht hat, also wir eben unsere Betriebe stehen.

00:14:19: Auch unter Preistruck und diese Mechanik dann so günstig wie möglich anzubieten nicht immer darauf achtet.

00:14:27: heißt das noch dass die betriebe tatsächlich kostendeckend mit hohen Standards arbeiten können und... Das ist jetzt unsere Tagesaktuelle Challenge an der wir arbeiten weil in den Zielen beispielsweise auch vom Discount von Lidl von Aldi die wollen in Richtung Klimaneutralität arbeiten.

00:14:45: Die wollen Biodiversität und müssen Biodiversity schützen wie alle anderen Unternehmen auch, also sie haben ein hohes unternehmerisches Interesse dass wir ja auch in der Produktion diese Standards erfüllen aber sie stehen im Wettbewerb enorm unter Druck.

00:15:01: da komme ich wieder zu dem Schulterschluss den wir brauchen.

00:15:05: Wir brauchen einen wettbewebsübergreifenden Schulterschluß Der zwar Wett Bewerb zulässt dort wo er sinnvoll unmöglich ist aber nicht zu Lasten unserer Lebensgrundlagen und das erforderten Neues Denken.

00:15:18: Der Wettbewerb nach unten, dass ich nicht mehr darauf achte ob ich wirklich klima- und bodenfreundlich wasserfreundliche arbeiten kann und Tierwohl in Wert setzen kann.

00:15:27: wenn das nicht möglich ist dann ist es ein Wett bewerbsversagen weil es ist auf Kosten schon von uns heute und erst recht noch auf Kosten der kommenden Generation.

00:15:37: Ich würde jetzt gerne noch einen anderen Punkt aufgreifen, der in dieser Diskussion eine Rolle spielt.

00:15:42: Und zwar dass die Biomilch oder auch andere Bio-Lebensmittel eigentlich gar nicht so teuer sind im Vergleich zu konventionell erzeugten Lebensmitteln.

00:15:51: Der Begriff dazu heißt True Cost und ich war echt überrascht als ich die Zahlen dazu gelesen habe.

00:16:03: Jan, true costs was genau bedeutet das?

00:16:07: True costs, die wahren Kosten sollten im Idealfall Teil des Preises sein.

00:16:12: Also beispielsweise wenn unser Trinkwasser, unser Grundwasser mit Nitrat- oder Pestizidrückständen belastet wird aus der Landwirtschaft dann verursacht das Kosten was später das Wasserwerk und der Verbraucher, der dann das Trinkwasser beim Wasserwerk Einkauf bezahlen muss.

00:16:31: Das sind sozusagen eben dann die verlagerten Kosten.

00:16:36: Eigentlich müsste das schon bei den Kosten der landwirtschaftlichen Produktion des Getreides oder des Gemüses draufgeschlagen werden, dass später das Wasser wieder gesäubert, gefiltert oder gemischt werden muss.

00:16:49: Dann hätten wir wahre Kosten.

00:16:51: Jetzt haben wir unwahre Kosten – also wir zahlen quasi über unser Trinkwasserpreis die eigentlichen Nebenkosten in der Lebensmittelproduktion.

00:16:59: Also die Zukunftskommission Landwirtschaft hat einen Wert berechnet, eben dieser gesellschaftlichen Kosten unserer heutigen landwirtschaftlichen Produktion.

00:17:08: Der liegt je nachdem was man mit einrechnet zwischen sechzig und neunzig Milliarden Euro pro Jahr.

00:17:13: Und das ist erheblich mehr als der eigentliche Produktionswert der produzierten landwirtschaftliche Güter.

00:17:19: Aber das klingt ja erstmal eigentlich einer guten Idee, also dass man diese Kosten miteinrechnet oder nicht?

00:17:26: Das ist eine super Idee und die Idee hatten im Übrigen auch die Kommission der früheren Bundesregierung unter Angela Merkel, unter ehemaligen CDU-Aggra-Ministern wie Herrn Borchert.

00:17:37: Der versucht hat im Grunde über so ein Umlagesystem den Umbau der Tierhaltung zu finanzieren.

00:17:43: alle zahlen ein paar Cent mehr fürs Kilogramm Fleisch und dafür erhalten die landwirtschaftlichen Betriebe, die ihre Stelle erweitern und mehr Platz für die Tiere schaffen etwas mehr Geld.

00:17:55: Und hätten damit auch eine Investitionssicherheit.

00:17:59: Das ist ein Modell was ganz breit von allen Richtungen getragen wird.

00:18:04: Weder ne schwarz oder ner rote oder grün oder wie auch immer gefärbte Regierung hat dieses Konzept – das ich eigentlich die gesamte Wirtschaft wünschte umsetzen können.

00:18:16: Und warum nicht?

00:18:17: Ganz einfach!

00:18:18: Sobald auch nur im Ansatz eine Vorlage, eine Gesetzesvorlage dafür erarbeitet wird, hielt die Bildzeitung der Kanzler oder der Minister oder die Ministerin wollen das Fleisch teurer machen und sie haben so eine Macht dann gibt es ne Aufregung und sagen nein wir wollen das nicht teurer machten.

00:18:36: Dann ist das Thema vom Tisch

00:18:38: unkupulär über ein eigentlich vernünftiges System eine nachhaltigere und auch tierfreundlichere Landwirtschaft zu erbringen.

00:18:47: Und wir machen uns das dann selber immer wieder über diesen Populismus kaputt!

00:18:51: Ich hatte dazu auch eine Zahl gefunden, die fand ich selber tatsächlich auch erstaunlich.

00:18:55: Also laut ZKL also dieser Zukunftskommission Landwirtschaft müssten dann konventionell erzeugte tierische Produkte hundredsechsenvierzig Prozent teurer sein als wenn man diese Mehrkosten mit einrechnen würde.

00:19:08: das heißt dass Schweineschnitzel würde dann das zweieinhalbfache kosten.

00:19:12: Das finde ich natürlich jetzt.

00:19:13: als Verbraucherin muss ich sagen schon auch ne Ansage

00:19:18: Ja, das sind eben die wissenschaftlichen Berechnungen.

00:19:22: Die ganz praktischen Umsetzungsvorschläge waren ja viel einfacher.

00:19:26: also da hat er auch gesagt wir tragen das solidarisch durch die Bank und es wird günstigere und teurere Stufen geben.

00:19:34: aber alle nicht nur die Landwirte sondern auch die Bürgerinnen und Bürger alle tragen gemeinsam die Kosten des Umbaus zu einer Artgerechten Tierhaltung.

00:19:44: So, das klingt doch nicht nur nach einem guten Plan, sondern es ist auch ein guter Plan denn die meisten Menschen wenn sie befragt werden wollt ihr Tierwohl sagen ja.

00:19:53: Ja, wollt ihr's bezahlen?

00:19:54: Meistlich sagen ja, wollt Ihr Insektenschutz oder Bienenschutz, Sie sagen ja auch ja aber wenn es dann zum Schwur kommt an der Kasse, dann wirds schwierig.

00:20:03: und das meine ich eben mit dieser... Dilemma, in dem wir alle sind.

00:20:08: Wenn wir das Gefühl haben es gibt doch noch was billigeres oder günstigeres was dann mein Nachbar kauft obwohl das Insekten schädlich oder tierunfreundlich ist ja dann fühle ich mich ungerecht behandelt.

00:20:19: deswegen müssen wir das Level für alle heben und Es muss ein Projekt der gesamten Gesellschaft und Solidargemeinschaft werden sonst machen auch die Bauern irgendwann nicht mehr mit.

00:20:28: aber

00:20:29: Ist es richtig, dass ich da so ein bisschen Wut auch aushöre bei dir?

00:20:32: Oder ich bin mir nicht ganz sicher oder vielleicht auch Resignation.

00:20:35: Weil du ja auch gesagt hast bist das langsam Leid diese Diskussion.

00:20:38: Wo ich wirklich genervt und auch wütend bin ist das die Politik.

00:20:43: wenn sie schon von der Fleischindustrie, von den Ökoverbänden und Umweltverbändinnen.

00:20:48: Von den Tierschutzverbändnen, von dem Kirchen und uns zu viel gesellschaftliche Rückendeckung bekommen.

00:20:54: Dass sie dann nicht ein Gesetz schreiben und es in den Widerstand auch einer Bildzeitung oder Springerpresse aushalten können zwei bis drei Monate und sagen Es tragen alle mit!

00:21:05: Und das ist richtig und wir gehen jetzt gemeinsam diesen Weg.

00:21:08: Dieser Mut fehlt in der Politik, das Richtige auch tatsächlich zu tun.

00:21:12: Gerade wenn es so eine breite Rückendeckung

00:21:14: gibt.".

00:21:23: Ich finde was eigentlich noch in diese Rechnung mit reingehört ist die Resilienz der ökologischen Landwirtschaft.

00:21:28: Also Resilience bedeutet ja im Grunde so viel wie Krisenfest also auch in Krisenzeiten stabil.

00:21:34: Was heißt also dass ein so schnell nix um haut?

00:21:37: Wie resilient bist du Jan?

00:21:39: Also ich würde sagen, ich bin ziemlich krisenfest.

00:21:42: Ich habe auch schon sehr viele Krisen selber mitgemacht – auch in Verantwortung oder auch schon vorher.

00:21:49: die erste große Krise, an der sich vieles hier auch erinnern kann.

00:21:52: Meine größte Krise am Anfang war die Reaktorkotastrophe von Chernobyl, wo man ja selbst die Sensibilität von dem, was wir als Menschen, als Technik und als Sicherempfinden am eigenen Leib empfunden haben.

00:22:05: Und auch nicht mehr wusste, was ist eigentlich jetzt noch sicher?

00:22:07: Was kann man noch essen und wie geht es in die Zukunft?

00:22:11: Und dann gab's viele Krisen, die BSE-Krise Windrinder waren.

00:22:14: Wir haben auch im Biobereichkrisen gehabt.

00:22:16: Wir hatten die Wirtschaftskrise aus dem Jahr zwei tausend acht, zweitausend neun gehabt wo auch, wo es gar keine Bioentwicklung gegeben hat.

00:22:24: Und eben jetzt die Covid Zeit Und natürlich jetzt eben der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine mit all seinen Folgen, die es danach gegeben hat.

00:22:37: Ich fühle mich dann stabil wenn ich versuche zu verstehen was hinter diesen Krisen steckt und auch Ansatzpunkte finde wie man im Kleinen in großen diese Krisen überwinden kann und dass der Mensch eigentlich alles weiß wie er diese Kriesen überwindet.

00:22:53: Das lässt mich optimistisch und selber auch resilient durch diese Krisen kommen.

00:22:59: Und was bedeutet dann in diesem Zusammenhang resiliente Landwirtschaft oder resiliante Bio-Landwirtschaft?

00:23:05: Resiliente Landwirtschaft, in dem Zusammenhang bedeutet auf Ereignisse in der Zukunft vorbereitet zu sein... wenn sie eben noch nicht eintreten.

00:23:14: Beispielsweise im extremen Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels, die Dürre, die wir in diesem Jahr sehen – auf die muss man sich vorbereiten!

00:23:22: Wir haben beispielsweise nach den Dürrenen, das ist auch ein starkes Dürrerjahr, an der unsere Richtlinien geändert und gesagt so wie schaffen wir eine resilientere Grundfuttervorsorge für unsere Betriebe?

00:23:34: Die hat dieses Jahr einigen Betrieben den Kopf gerettet.

00:23:39: Für andere war es aber noch nicht ausreichend, weil die Dürre dann wiederum so stark war in bestimmten Regionen wie wir uns das im Jahr zwei Tausend Achtzehn noch gar nicht vorstellen konnten und da braucht's wieder einen Anpassungsschritt.

00:23:51: Das gehört auch zur Resilienz, dass ich mich immer wieder frage bin ich auf das vorbereitet was heute noch nicht eintritt?

00:23:57: Und genauso eben wirtschaftlich also sind die Lieferketten ist die Vertragspartnerschaft, die ich mit meinen Abnehmern, mit den Verarbeitern oder eben auch mit dem Einzelhandel habe.

00:24:10: Ist die stabil?

00:24:11: Ist die resilient?

00:24:12: Geht sie durch Konflikte, durch wirtschaftliche Krisen, durch Absatzkrisen, wenn jetzt beispielsweise die Verbraucher ihr Einkaufsverhalten verändern?

00:24:23: All das gehört für mich zur Resilienz und zu guter Letzt für uns als Verband – und das haben wir sehr genau auf dem Radar –.

00:24:30: was passiert In Europa, was passiert geopolitisch?

00:24:34: Wie entwickeln sich die Systeme auch außerhalb von Europa in den USA, in China.

00:24:39: Wie haben die Änderungen in der europäischen und deutschen Wirtschaft Auswirkungen wiederum auf unsere Kunden, auf unsere Lieferketten, auf unsere Systeme und welche Möglichkeiten haben wir als Bioland Stabilität zu erreichen?

00:24:53: das alles gehört für mich mit dazu.

00:24:55: Wenn ich dich richtig verstehe, Jan, dann bringt der Ökolandbau diese Resilienz ja mit sich.

00:24:59: Und zwar weil die Lebensmittel in der Region angebaut werden und da auch verlässlich zur Verfügung stehen, egal was in der Welt politisch gerade passiert.

00:25:08: Und wenn zum Beispiel die Preise für Düngemittel gerade durch die Decke gehen, können die Biobauern zumindest ein bisschen gelassener sein.

00:25:16: Die Klimakrise betrifft die Bio-Landwirte natürlich grundsätzlich auch.

00:25:20: allerdings Steckte das Thema Klimawandeljahr, das finde ich muss man ehrlicherweise sagen die letzten Jahre ein bisschen in der Schmudelecke.

00:25:27: So habe ich das zumindest empfunden also in der öffentlichen Diskussion fand es kaum statt.

00:25:32: andere Themen schien da viel drängender zu sein und spricht ja deshalb auch von der Gefahr eines sogenannten Rollbacks Also dass Entscheidungen pro klimarückgänig gemacht werden könnten oder unter Druck geraten.

00:25:43: Jetzt könnte man ja sagen, der Klimawandel hat es nach dieser extremen Hitze zurück ins Bewusstsein der Menschen geschafft.

00:25:51: Ist das vielleicht auch eine Chance?

00:25:52: Was sagst du dazu?

00:25:54: Auf jeden Fall ist das eine Chance.

00:25:55: wenn man am eigenen Leib die Verletzlichkeit unseres eigenen Lebens und unserer Systeme drum herum spürt, dann wächst auf jeden Fall die Bereitschaft auch etwas zu verändern aus der Komfortzone oder der Bequemlichkeit rauszukommen und darüber nachzudenken.

00:26:11: Ja was kann ich denn als Einzelner tun?

00:26:12: Was kann ich in meiner Umgebung, in meiner Gemeinschaft mit meiner Familie

00:26:16: tun?".

00:26:18: Und die Diskussion, die wir jetzt erleben, die wird jetzt führen, die erlebe ich an vielen Stellen.

00:26:24: das diskutiert wird wie man konstruktiv mit der Klimawandel Anpassung umgehen kann, also wie jetzt konkret in einer Landwirtschaft wie wir unsere Fruchtfolgen umbauen.

00:26:34: Wie viele Einzelhändler haben ja eine Eiweiß-, eine Proteinstrategie gebrauchen?

00:26:40: Eiweiss aber mehr pflanzliches Eiweis davon wächst mehr aufgrund der Trockenheit auch im Mittel- und Norddeutschland.

00:26:50: Wir können dort unsere Fruchte folgen anpassen.

00:26:52: Aber was wir brauchen sind auch deutlich weiterentwickelte Systeme Rückhaltung und Speicherung von Wasser in der Landschaft, in den Böden aber auch technische Rückhaltemöglichkeiten.

00:27:05: Also all das bietet Chancen uns anzupassen zu reagieren und eben auch eine gute Lösung für unsere Zukunft zu haben.

00:27:16: Genau!

00:27:16: Und da bietet ja die... Biolandwirtschaft viele Ansätze.

00:27:19: Jetzt gibt es ja Politiker, Wissenschaftlerinnen und auch Landwirte gesehen als Lösung für eben Trockenheit steigenden Schädlingsdruck

00:27:25: usw.,

00:27:26: vor allem eins die Gentechnik.

00:27:28: Und die EU hat hier auch die Deregulierung neuer genetischer Techniken beschlossen.

00:27:32: also bekanntes Beispiel die Gen-Schere.

00:27:34: Krzper Kass Eins der Argumente damit würde der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert.

00:27:40: stimmt das aus deiner Sicht?

00:27:43: Nein, das stimmt nicht weil diese einfache Aussage Ja Ausgrenz und ausschließt das natürliche Systeme, dass Natursysteme komplexe Systemen sind mit komplexen Wechselwirkungen.

00:27:55: Wenn ich eine Pflanze mit einem Gen ändere und eine Resistenz auf ganz vielen tausend oder Millionen Hektar ausbringe dann passen sich die Pathogenie wie Schädlinge an.

00:28:06: Ganz schnell!

00:28:07: Das weiß jeder eigentlich.

00:28:09: und deswegen ist dieses Versprechen kompletter Nonsens.

00:28:13: Dann wird immer gesagt, dann muss ich ganz viele Gene auf einmal bei ganz vielen Nutzpflanzen verändern.

00:28:19: Aber die Natur ist so kreativ und passt sich so schnell einem veränderten Nahrungsangebot an.

00:28:27: Ich werde immer mehr Resistenzen ändern.

00:28:29: Jetzt macht man den gleichen Fehler wieder, den man mit der alten Gentechnik gemacht hat.

00:28:34: Man stellt Versprechen in einen Raum, die nicht eingehalten werden können.

00:28:38: Die Enttäuschung wird einerseits groß sein Und das viel schlimmer ist ja, dass das eigentliche wirtschaftliche Interesse was hinter der Einführung von CRISPR-Cars in der Landwirtschaft steckt komplett vom Radar verschwindet.

00:28:53: Nämlich die Patentierung unserer Lebensmittel, die Patentinierung unseres Saatguts.

00:28:58: Dass man mit der Einführung der Genenschere auch diese Gene und diese Pflanzeneigenschaften für den gesamten Einsatz einer Pflanzenzüchtungen patentieren kann Und damit sozusagen den Kot der Lebensmittel lizenziert und dem Kot im Profite der Konzerne übersetzen kann, ohne dass die dann noch eine Pflanze anfassen oder anbauen müssen.

00:29:22: Sondern das Bauern Landwirte und letztendlich auch die Verbraucher nur noch zu Lizenznehmern der großen Patentinhaber werden.

00:29:30: Das unter dem Deckmalente man würde Pflanzenschutzmitteleinsatz reduzieren.

00:29:34: Das halte ich für ne große Lüge.

00:29:37: Es gibt ja auch das Argument, dass mit dieser Technik also vom CRISPR-Cas nur beschleunigt wird was eh durch Züchtung passieren würde.

00:29:44: Wo ist denn der Unterschied aus deiner Sicht?

00:29:46: Also wenn man jetzt lange genug züchtet selektiert dann würde im Grunde jetzt verkürzt das passieren, was man sonst in fünfzig Jahren erreichen würde.

00:29:53: aber das Argument zählt aus deines Sicht nicht.

00:29:55: Nein, weil es ja auch nicht stimmt.

00:29:58: Dann bräuchte man diese Technik gar nicht.

00:30:01: Natürlich ist das eine extrem mächtige Technik wenn ich spezifisch einzelne Gene verändern kann und ich kann sie an Orten in einer Art und Weise verändern wie Sie in der Natur eben nicht vorkommen.

00:30:14: Sonst hätte ich's schon mit klassischer Züchtung gemacht.

00:30:16: Das ist ne Erzählung die so nicht stimmt, die auch wiederlegt ist und die auch in vielen Publikationen so veröffentlicht wurde.

00:30:24: Also die Erzählung funktioniert natürlich, es ist alles im Grunde das was in der Natur passiert nur schneller und präziser.

00:30:32: Wir sehen das jetzt schon an dem Einsatz von Genome Editing, an den wenigen Sorten die es bereits auf dem Markt gibt oder die kurz vor der Markteinführung sind – das sind alles Züchtungen, die es mit einer normalen natürlichen Kreuzungs- und Selektionszüchtung so nicht gegeben hätte.

00:30:47: Und der Aufschrei, weil man ja gleichzeitig immer noch die gesamte Risikoprüfung rausgenommen hat.

00:30:53: Der Aufschreil später in einigen Jahren, wenn man merkt da ist doch eine Eigenschaft entstanden, die entweder aller Gene auslöst oder die doch eben Ökosysteme... schwächt wieder bestimmte Resistenzen, mit bestimmten Resistencen den Anbau von unseren Kulturpflanzen bedroht oder auch sensible Ökosysteme bedrohnt.

00:31:12: Dann ist der Aufschrei groß und sagt hätte man doch etwas vorsorglicher, etwas vorsichtiger gehandelt.

00:31:18: Wir selber jetzt als Ökoverband und Ökoverbände haben ja gar nicht gesagt, man muss eine Technik verbieten sondern man muss Technik nur gewisse Regeln einen gewissen Rahmen geben.

00:31:29: Es ist halt so, ich mache ein großes Experiment mit der gesamten Natur und da hätte ich mir einen bisschen mehr Demut oder ein bisschen mehr Vorausschau gewünscht.

00:31:40: Welche Möglichkeiten hat denn der Verband dagegen zu wirken?

00:31:44: Oder darauf Einfluss zu nehmen auf diese Entwicklung?

00:31:47: Naja unser wichtigster Einfluß ist dass wir noch einen alternativen Innovationsfahrt am Leben erhalten und vor allen Dingen auch ausbauen es die ökologische Pflanzenzüchtung auch die öko-logische Tierzüchtungen ohne den Einsatz von Genome Editing und Gentechnik, weil ansonsten irgendwann die gesamten Lebensmittel durchpatentiert sind.

00:32:07: Die in einer Inhaberschaft sind und die Abhängigkeiten immer größer werden.

00:32:12: also wir brauchen eine Entwicklung ein Wachstum unserer ökologisch eigenen Pflanzenzüchtung müssen viel mehr in die Breite in die Tiefe investieren und dem Verbrauchern eine alternative anbieten auf die immer mehr Verbraucher setzen.

00:32:29: Dann können wir den Abhängigkeiten und auch im natürlichen Risiken noch etwas entgegensetzen, das ist unser stärkster

00:32:35: Hebel.".

00:32:35: Ich würde da gerne mal nachhaken nur damit ich sicher bin dass ich es richtig verstanden habe weil es braucht ja hitzerresistente Pflanzen.

00:32:41: also die Klimakrise ist ja nicht von der Hand zu weisen.

00:32:45: wie will der Ökolandbau wenn er jetzt nicht auf Gentechnik setzt dieses Ziel erreichen also hitzeresistentere Pflanzen zum Beispiel?

00:32:54: Ich muss schmunzeln, weil das natürlich... Das sind die Fragen, die mich die letzten fünf Jahre immer rauf und runtergestellt wurden.

00:33:00: Züchtung für den ökologischen Landbau ist seit Jahrzehnten die Anpassung an widrigere Boden-, Klima- und Wasser- und Nährstoffverhältnisse.

00:33:10: Pflanzen, die in dem ökologistischen Landbausystem gezüchtet worden können viel mehr als im konventionellen System.

00:33:18: Deswegen haben auch Zuchtkonzerne wie die KWS meist Züchtungen In ökologischen Landbausystemen, schon seit Jahrzehnten haben die dort reininvestiert.

00:33:29: Weil sich das lohnt und weil es Sinn ergibt.

00:33:32: Pflanzen im ökologistischen Landbau brauchen tiefere Wurzeln, brauchen breitere Wurtzeln.

00:33:37: Müssen mehr arbeiten um Nährstoffe aufzunehmen.

00:33:41: Brauchen die Symbiosen?

00:33:43: Müssen mit Unkräutern in der Nachbarschaft überleben?

00:33:47: haben schon einen Umfeld, das auch zum Klimawandel oder auf die Klimakrise Hitzestress Trockent Stress vorbereitet.

00:33:55: Aber immer im System.

00:33:56: wir haben parallel zu dieser Pflanzenzucht immer auch an den Anbausystem gearbeitet.

00:34:01: Mischkulturen.

00:34:02: Wir haben mit ganz unterschiedlichen Anbau Kulturen Bodenbearbeitung Abständen gearbeitet weil wir ja keine Pflanzenschutzmittel im normalen Markfruchtanbau einsetzen können.

00:34:15: und durch diesen Stress oder diese Herausforderung haben wir einen großen Vorsprung sowohl in der Resistenz-Züchtung wie eben in angepassten Sorten für jetzt auch für Extremwetterereignisse.

00:34:29: und da müssen wir konsequent weitermachen.

00:34:32: Ich kann die meisten Eigenschaften, die ich brauche entweder ebenso gut oder deutlich besser als mit den Versprechungen von Genome Editing erreichen und das wird oft ausgeblendet.

00:34:44: Das sind keine rückständigen Züchtungsprojekte, sondern wir machen modernste Pflanzenzüchtung mit allen was dazugehört.

00:34:51: Natürlich auch mit dem Einsatz von Geneanalysen und wir gucken uns die Eigenschaften in den Genomen genau ein, was gekreuzt werden muss.

00:35:01: Unsere Einschätzung und auch die Einschätzungen unserer Pflanzenzüchter ist dass man sich mit ökologischer Pflanzen züchtung entweder ebenso gut oder deutlich besser auf dem Klimawandel anpassen und vorbereiten kann, als jetzt mit den Sätzen auf eine spezifische Gentechnologie.

00:35:19: Okay.

00:35:20: Das heißt unter dem Strich ich fasse das nochmal zusammen die ökologische Landwirtschaft ist resilienter uns sie verursacht weniger hohe Folge kosten haben wir darüber gesprochen.

00:35:29: Jetzt frage ich mich, müsste vom Staat oder auch von der EU dann nicht das Signal kommen?

00:35:33: Wir wollen mehr regionale Lebensmittel.

00:35:35: Wir wollen unabhängiger sein von Importen und vor allem von chemischen Düngemitteln.

00:35:40: Und wir brauchen deshalb mehr Bio?

00:35:43: Das kommt ja zum Glück auch!

00:35:44: Also es ist ja Teil der Vision der EU-Kommission ist ja more organic – mehr Bio in ganz Europa.

00:35:53: Das Ziel ist nach wie vor, für unzwanzig Prozent bewirtschaftete Landfläche ökologisch und natürlich auch noch viel mehr darüber hinaus mit agrarökologischen Systemen zu bewirtschaften.

00:36:05: Also das politische Ziel ist da allein es fehlen in vielen Bereichen noch die konkreten Programme und die konkrete Entscheidungen, dass das auch umsetzbar ist.

00:36:16: Und vielleicht ja auch das Geld womit wir dann bei dem Thema Subventionen wären?

00:36:19: Also wenn wir über staatliche Gelder sprechen, dann kommen wir natürlich im einen Thema nicht herum.

00:36:24: es hat nur drei Buchstaben aber jede Menge Sprengkraft.

00:36:33: Die Rede ist natürlich von der GAP also der gemeinsame Agrarpolitik innerhalb der EU.

00:36:38: Ich habe mich damit bei der Vorbereitung auf den Podcast ziemlich ausführlich beschäftigt und ich muss sagen, alle Vorurteile in Sachen Bürokratie die ich gehört habe haben sich leider bestätigt.

00:36:47: Deshalb jetzt die Frage an dich Jan!

00:36:49: Auf einer Skala von eins bis zehn was sagst du?

00:36:52: Wie viel unsinnige Bürokrate steckt in der Gap?

00:36:57: Ja sieben bis acht Auf jeden Fall.

00:37:00: Ich hatte auf elf getippt, aber das ist ja dann noch eine diplomatische Antwort.

00:37:05: Ja also man muss ja sagen dass die gemeinsam europäische Agrarpolitik in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch sehr viel Gutes erreicht hat.

00:37:16: Das merkt man ja einmal dann wenn auch viele Landwirte die Programme annehmen.

00:37:19: beispielsweise Die Ökoregelungen, die Ecoschemes sind sehr breit angenommen worden.

00:37:25: Die Programme in Bayern zum Beispiel zum Humusaufbau über Klegras sind extrem gut angenommen worden.

00:37:33: Also es gibt Programme, auch eben zum Ökolandbau oder das ist ja ein echtes Erfolgsmodell in ganz Europa und wird sehr gut an genommen.

00:37:41: Man kann mit der Gap viel Gutes erreichen – auch gar nicht so viel Bürokratie wenn man's richtig macht!

00:37:48: Das Problem ist dass man viel zu viele Ziele und auch Detailziele in die gemeinsame europäische Agrarpolitik reinprojiziert hat.

00:37:56: Dadurch ist sie immer komplizierter geworden, dann warte man sich wieder vorgenommen was zu vereinfachen, hat aber eigentlich wieder mit den Entscheidungen es noch komplizirter gemacht und aktuell sind wir kann man sagen vom gesamten System an einem Limit.

00:38:11: also weder die Verwaltung noch die Landwirte kapieren das Gesamtsystem.

00:38:15: uns braucht eine radikale Vereinfachung.

00:38:18: Da werden dir sicherlich viele zustimmen.

00:38:20: Ich habe mal auf die Zahlen geschaut, in der letzten Finanzperiode von Dreiundzwanzig bis Siebenundzwanzeig stellte die EU allein für die Einkommensstützung der Landwirten und Landwirte rund hundert achten achtzig Milliarden Euro zur Verfügung.

00:38:32: Und laut Angaben der EU machte diese Zahlung im Durchschnitt in den letzten zehn Jahren fast die Hälfte des Einkommensther Landwirter aus.

00:38:38: Das ist also eine existenzielle Unterstützung.

00:38:41: Und da stellt sich natürlich jetzt die Frage, wie sieht die Planung für die Zeit ab achtundzwanzig aus?

00:38:46: Es gibt ja einen Vorschlag der Kommission und lass mich raten ich fürchte es wird nicht mehr Geld werden richtig?

00:38:54: Nein!

00:38:54: Es würde nicht mehr geld werden.

00:38:55: also zum ein sind alle EU-Staaten unter wirtschaftlichen Druck wachsen nicht ausreichend dass mehr Steuereinnahmen gibt das mehr Geld zu verteilen ist.

00:39:04: aber es gibt eher weniger als mehr zu verteilt.

00:39:07: Und mit dem weniger werdenden Geld müssen mehr Dinge finanziert werden, vor allem die Verteidigung.

00:39:13: Aber auch in anderen Bereichen in der EU-Erweiterung oder im ländlichen Raum in der Wettbewerbsfähigkeit, in der Forschung und Entwicklung will die EU mehr Geld ausgeben.

00:39:25: Also ist der Topf für die Förderung der Landwirtinnen und Landwirte insbesondere auf die Einkommensunterstützung enorm unter Druck.

00:39:34: Jetzt kommt ja das Geld für die Landwirte, soll nach dieses Vorschlag es zukünftig aus dem sogenannten NRP-Fonkom.

00:39:41: Also NRP steht dafür nationale und regionale Partnerschaften.

00:39:44: Das bedeutet wenn ich jetzt mal stark vereinfachen darf jedes land hat ein Budget Und verhandelt dann mit der EU Kommission wie viel davon in die Landwirtschaft und vor allem auch in den Ökolandbau frießt.

00:39:54: Die EU sagt, sie wird den Ländern dadurch mehr Spielraum geben bei dieser Entscheidung.

00:39:58: Aber ich habe mich gefragt ist denn dann irgendwo auch festgelegt wie hoch die Summe ist, die in dem Ökolandbau fließen muss?

00:40:04: Also so was wie eine Art Untergrenze?

00:40:08: Nein und das ist einer unserer zentralen Kritikpunkte dass es weder eben für die Unterstützung der Umstellung und Beiberhaltung zum Ökelandbau ein Minimum, eine Untergrenz oder ein geschütztes Budget gibt noch für den gesamten Bereich der Agrarumwelt Klimaschutzmaßnahmen, das trifft für den ganzen Bereich zu.

00:40:28: Positiv muss man sagen ist im Vorschlag drin dass jeder IOMITID-Staat in seiner nationalen Planung die Umstellung und auch die Beibehaltung vom Ökolandbau fördern will.

00:40:39: aber wie?

00:40:40: In welchem Umfang?

00:40:41: In welche Rahmen?

00:40:42: Dass es nicht festgelegt und bei so viele unterschiedliche Dinge finanziert werden können und sollen und wahrscheinlich auch müssen wird es einen ziemlichen Wettbewerb um diese sehr allgemeinen Haushaltstöpfe geben.

00:40:56: Okay, also Herausforderungen die da auf die Landwirtschaft warten.

00:41:00: Neu ist ja auch das Prinzip des Farms Stewardship.

00:41:03: übersetzt heißt das so viel wie verantwortungsvolle Betriebsführung und das soll die bisherige Konditionalität ersetzen.

00:41:08: Also die Zahlung aus der Gap an bestimmte die waren ja vorher an bestimmten Bedingungen geknüpft zum Beispiel den Schutz von Böden Wasser und Biodiversität.

00:41:16: hilft diese Veränderungen dem Ökolandbau oder ist das eher ein Rückschritt aus deiner Sicht?

00:41:22: Ja, es gab eigentlich in allen letzten Agrareformen immer Grundregeln.

00:41:27: Also Grundanforderungen an die gute landwirtschaftliche Praxis, an ökologischen Zustand und Gewässerschutz.

00:41:34: also diese Grundanfordernung gab's immer.

00:41:36: Die sollten ja im Grunde so eine Art Grundanforderung sein dass man überhaupt als Betrieb Agrarförderung bekommen kann auch eben dieser Einkommensstützung.

00:41:46: das war die Grundlage.

00:41:48: Im Grunde jetzt erstmal von der Theorie her kein schlechtes System.

00:41:53: Diese Regeln haben aber sich oft gebissen.

00:41:56: wieder mit den spezifischen Regeln des Ökolandbau, gerade in der Bodenbearbeitung ob ich jetzt mit Herbizide also mit Unkrautvernichtungsmitteln arbeite oder im Ökelandbau mit Fruchtfolge und mechanischer Unkraudregulierung macht ein Riesenunterschied wenn nicht beispielsweise dem Boden bearbeiten muss.

00:42:12: Das hatte uns in den vergangenen Jahren sehr viel Kopfschmerzen auch sehr viel Bürokratie.

00:42:19: Jetzt mit dem Vorschlag der Kommission wird das tatsächlich für die Biobetriebe besser, denn sie sind automatisch anerkannt für diese Grundanforderungen und wenn Sie ein zertifizierter Biobetrieb sind dann erfüllen Sie die Grundanfordernung im Können auch die anderen Programme.

00:42:36: mit beeintragen.

00:42:37: Also das ist eine erhebliche Vereinfachung und

00:42:39: Verbesserung.".

00:42:40: Okay, ein anderes wichtiges Thema ist ja diese Flächen- oder Basisprämie also dass Geld das Land führte je nach Größe ihrer bewirtschafteten Fläche bekommen.

00:42:48: bisher galt je mehr Fläche desto mehr Geld also Prinzip Gießkanne wenn man so will.

00:42:54: jetzt soll sich das ändern.

00:42:55: geplant ist unter anderem eine Kappung dieser Flächenprämien.

00:42:58: es gibt also eine Obergrenze die laut Kommission bei hunderttausend Euro liegen sollen.

00:43:03: Ist das mit der Kappung eine gute Idee, die da aus Brüssel kommt?

00:43:08: Wir sehen als Bioland und auch als Bioverbände insgesamt diese ganze Flächenprämie als kritisch.

00:43:15: Also wir würden sie am liebsten komplett abschaffen stufenweise so wie es auf die Wissenschaft empfohlen hat und das Geld in Form von Gemeinwohlleistungen der Landwirte ausbezahlen.

00:43:27: also wer mehr Naturschutz, wer mehr Wasserschutz, wer mer Bodenschutz, Klimaschutz Der soll auch entsprechende Honorierung erhalten, die nicht aus dem Markt honoriert werden kann.

00:43:39: Da haben wir am Anfang vom Podcast darüber gesprochen wie schwierig das ist alles über den Verbraucherpreis zu finanzieren.

00:43:45: also hier braucht es eben diese staatliche Honorierung Bezahlung von Gemeinwohlleistungen, die alle Menschen gemeinsam brauchen.

00:43:53: ich hätte viel mehr Output vielmehr Wirkung mit den knapper werdenden Steuermitteln.

00:43:59: Also wenn ich auf hundert oder auf tausend Hektar Naturschutz hecken Blühstreifen, Altgrastreifen oder eben auch Gewässerschutzbetreibe.

00:44:08: Dann ist das gleich viel wert und ich kann es eben auch entsprechend ignorieren.

00:44:12: und kein Landwirt fühlt sich irgendwie diskriminiert, egal ob er groß oder klein

00:44:16: ist.".

00:44:17: Es wird wahrscheinlich schwer umzusetzen sein die Flächenkremie Schritt für Schritt abzuschaffen?

00:44:22: Also da gebe ich die Hoffnung nicht auf weil A ist der finanzielle Druck so groß Und ich kriege das ja mit auch in den Diskussionen, mit den anderen Ressorts.

00:44:31: Also wenn man in Brüssel oder Berlin mit Ministerien... in einem ganz anderen Wirtschaftsbereich oder im sozialen, sprich die schütteln ja alle den Kopf und zahlen.

00:44:40: Die Landwirtschaft ist offensichtlich kaum oder gar nicht reformierbar.

00:44:44: Warum hören denn die Agrarpolitiker nicht auf die wissenschaftlichen Beiräte?

00:44:49: Warum folgen sie dann nicht den Empfehlungen einer Zukunftskommission Landwirtschaft wo ihr auch der Deutsche Bauernverband mitgearbeitet und auch mitgezeichnet hat?

00:44:57: Warum hört man nicht auf dem strategischen Dialog von Ursula von der Leyen, wo genau das auch drin steht.

00:45:04: Dass man sukzessiv in eine gewinnbeitragende Inwertsetzung von Umweltleistungen investiert anstatt immer per Gießkanne eine Flächenprämie auszuzahlen?

00:45:13: also ich glaube an dieser Stelle wird sich irgendwann das vernünftige und richtige durchsetzen weil alles anderes einfach viel zu teuer.

00:45:22: Okay da sind wir ja.

00:45:24: beim Stichwort Optimismus würde ich gerne nochmal einhaken.

00:45:27: du bist ja Präsident seit Muss man da so eine Art Zweckoptimist sein für diesen Job eigentlich?

00:45:35: Nein, also kein Zweck Optimist.

00:45:36: Das würde man ja irgendwann selber sich nicht mehr im Spiegel angucken oder sakastisch werden.

00:45:44: Ich bin Pragmatiker und ein realistischer Optimist das heißt ich versuche immer die Zusammenhänge auf die Mehrheiten, die Meinungsbildung, die Fakten, die vielfältigen Perspektiven so gut wie möglich zu verstehen und dann auch andere Sichtweisen zu respektieren.

00:46:01: Also mir beispielsweise die acht Monate Arbeit im strategischen Dialog in Brüssel, die waren ja wahnsinnig intensiv zusammen mit Peter Schurschneider und den ganzen Kollegen sehr viel Perspektiverweiterung gebracht und auch gesehen dass ganz viele mit mir nach Lösungen suchen und auch bereit sind gemeinschaftliche Lösungen zu suchen und aufzufinden.

00:46:20: und das ist das was mich optimistisch hält dass man mit einerseits einen pragmatischen Ansatz, aber auch immer wieder mit einer gewissen vehementen Kreativität auf Lösungen drängt.

00:46:34: Dass man da auch einiges erreichen kann.

00:46:36: Okay und gab es denn in den fünfzehn Jahren auch mal Momente wo du am liebsten alles hingeschmissen hättest und gesagt hast das macht alles keinen Sinn mehr?

00:46:43: also die totale Verzweiflung?

00:46:46: Kann ich mich ehrlich gesagt nicht dran erinnern.

00:46:48: Also wenn dann sind jetzt die Jüngste, die kann ich mir natürlich noch erinnernen nach der Abstimmung und Beschlusslage zu dem geänderten Gentechnikrecht, dass ich einen Tag gedacht hätte.

00:47:01: Also das darf alles nicht wahr sein, weil auch die Strategien von Korteva, Monsanto, Bayer und Co sind ja gut.

00:47:10: Die sind transparent und nachvollziehbar, weil sie wirklich für Gefährlich-Halte für unsere Systeme... Da denke ich man um Mann, die Machtverhältnisse sind schon unfair und ungleich verteilt.

00:47:21: aber den Tag danach wieder Wir kämpfen und arbeiten weiter, dass wir auch unsere Kinder und Enkel eine gute Zukunft haben.

00:47:33: Das gehört zum Menschheim mit dazu.

00:47:35: Und das motiviert natürlich auch.

00:47:36: Deswegen würde ich auch gerne noch mal zum Abschluss auch mit der Gab positiv enden, weil es gibt ja sicherlich Dinge die du daran gut findest oder die du befürwortest.

00:47:46: Was ist das

00:47:47: z.B.?

00:47:48: Naja, bei der gemeinsamen Agrarpolitik.

00:47:51: Also da sind viele Chancen mit dabei.

00:47:54: auch in den Kommissionsvorschlag das haben wir immer wieder gesagt gab eigentlich einen ganzen Topf außerhalb der GAP mit denen man Bioregionen also so regionale ökologische Wertschöpfungsketten fördern kann also wo man Investitionen fördern können in die beispielsweise Lebensmittelverarbeitungen für dezentrale regionale Kantinen oder auch wieder in dezentrale, mobile Schlachtstätten zu investieren.

00:48:18: All das wäre angelegt jetzt in diesem Kommissionsvorschlag und ich immer wenn wir so diese Ideen noch einbringen nutzt doch den Ökolandbau für ein stabiles Europa in der Zukunft im Grunde für die Blaupause dass wir unabhängiger und weniger erpresswertbar von China, von den USA werden, dass wir stabile ländliche Räume mit zufriedenen Menschen Handwerker, Bürgern auch mit dem Pendlern haben.

00:48:47: Dass es ein friedliches Miteinander gibt.

00:48:49: Nutzen wir doch den Ökolandbau aus diese ganzen Systemwirkungen die wir über Jahrzehnte erarbeitet haben um letztendlich unserem friedlichen gemeinschaftlichen demokratischen Europa zu dienen was viele auch nicht wissen ist dass Deutschland ja nur der komplette Durchschnitt des Ökelandbaus in Europa ist.

00:49:09: Die meisten Betriebe sind in Italien.

00:49:13: Italien hat über zwanzig Prozent Öko-Landbau.

00:49:16: Die meiste Öko Landbaufläche ist in Spanien und die höchsten Anteile sind in Österreich und Island, so also das ist wirklich auch das Schöne wenn man ein bisschen aus dieser deutschen Perspektive rauskommt.

00:49:29: es gibt so viel unterschiedliches Engagement auch aus unterschiedlichen Motiven für Bio wie beispielsweise im Portugal ist der Öko landbau die letzten Jahre am meisten gewachsen in ganz Europa dass das eine riesen Bereicherung ist.

00:49:43: Und dann kommt man wieder mit Demo zurück nach Deutschland und sagt, Mensch wir könnten ja auch von den unseren Nachbarländern oder auch von Süd- oder aus der Europa die ganze Menge lernen!

00:49:58: Ich würde gerne zum Ende noch einmal in den Supermarkt zurückkehren, da sind wir ja am Anfang unseres Gesprächs gestartet.

00:50:03: Seit dem siebenundzwanzigsten September gelten neue Regeln um die Verbraucherinnen und Verbrauchern von Greenwashing zu schützen.

00:50:09: Irreführende oder nicht belegte Umweltaussagen sollen dadurch eingedämmt werden?

00:50:14: Was sagst du?

00:50:15: ein Grund zur Freude?

00:50:18: Ja und nein also Beides!

00:50:21: Also erst mal ist das ein Grund zur Freude auf jeden Fall.

00:50:24: Wir haben uns so eine Regulierung grundsätzlich gewünscht, Öko oder Bio ist zwar geschützt aber jetzt eben klimaneutral nachhaltig, regenerativ oder was auch immer.

00:50:33: Das sind alles Begriffe die nicht geschützten und quasi wie beliebig fast beliebig verwendet werden können.

00:50:40: und damit hat man auch um faire Wettbewerbsbedingungen wenn man sich eben nach einem gesetzlich regulierten Standard jetzt wie nach der Bio Verordnung oder noch nach den höheren Biolandrichtlinien richtet und kontrolliert wird.

00:50:53: Also erstmal grundsätzlich gutes politisches Anliegen, ja warum etwas weniger Freude?

00:50:59: da kann man mal wieder sagen Politik gut gemeint aber schlecht gemacht.

00:51:03: das ist ein handwerklich schlechtes Gesetz.

00:51:06: die Mitgliedstaaten müssen diese Verordnung dieser Richtlinie umsetzen im nationalen Recht.

00:51:12: in Deutschland ist es dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb reguliert worden.

00:51:16: wir haben auch intensiv beraten und begleitet.

00:51:19: Aber man sieht jetzt schon in der ganzen Vorbereitung, der Lebensmittelhersteller und Handler, dass es unheimlich viele Unsicherheiten gibt.

00:51:29: Was denn nun genau gilt?

00:51:31: Was eine legale Umweltaussage ist und was vielleicht eine Grenzüberschreitung ist um überall wo Unsicherheit ist wird weniger investiert, wird weniger geworben und das ist ne schlechte Nachricht.

00:51:44: so also wir haben das positive.

00:51:47: für uns Bio ist eine anerkannte Umwelt-Höchstleistung, also Biohersteller, Biobauern und auch Biohändler haben es erstmal grundsätzlich einfacher.

00:51:57: Wenn sie mit Bio werben das ist einfach möglich.

00:52:02: wenn man das alles nicht belegen kann dann wird man eher seine Marken oder seine Aussagen zurückziehen lassen.

00:52:08: Insofern wird's auch eine gewisse Marktbereinigung geben.

00:52:11: aber eben wir erleben eben auch dass einige Der Marktteilnehmer, der Händler über Stile hinaus schießen und maximale Sicherheit wollen die es aktuell noch nicht geben kann.

00:52:20: Und damit wird auch einiges vom Markt verschwinden was mit Sicherheit eben auch gute Umweltleistung oder auch gute Umweltaussagen in sich birgt.

00:52:28: Müsst ihr denn als Verband auch eure Kommunikation verändern?

00:52:32: dann also als Biolandverband?

00:52:34: Wir haben sehr viel Material natürlich gesammelt und zusammengestellt, dass alle unsere Umweltaussagen auch belegbar sind.

00:52:43: Entweder über unsere Richtlinien oder eben auch über wissenschaftliche Studien, da wir in den letzten Monaten viel gearbeitet haben.

00:52:49: Wir haben natürlich unseren Mitgliedern- und Partnerbetrieben sehr viele Handwerkszeug gegeben bis hin zu Textbausteinen was sie recht sicher verwenden können und was gedeckt und belegt ist und wo sie aufpassen müssen, und wo Sie gegebenenfalls eben auch nochmal Beratungen einholen müssen.

00:53:06: Also das ist schon für uns die letzten Monate eine Arbeitsschwerbung gewesen und wir gehen auch davon aus dass wir unsere Betriebe in Erzeugung, in Herstellung, in den Handel auch die kommenden Monate noch intensiv begleiten werden.

00:53:24: Ja egal wo man einkauft an Ende landet man ja immer an der Kasse und abgerechnet wird bekanntlich zum Schloss.

00:53:31: deswegen stehen jetzt auf meinen Kassenzettel einige Chancen für die Biolandwirtschaft.

00:53:35: Zum einen die Resilienz, also die Stabilität in Krisen seines politische Auseinandersetzungen liefer Engpässe oder auch die Klimakrise und dass sie Nachfrage wächst das ist ja ein gutes Zeichen aber wenn dieses Wachstum unbedingt finanziell bei den Landwirtinnen und Landwirten ankommen muss auf mein Zettel steht deshalb auch das noch einiges zu tun es genauso wie bei den Verhandlungen zur zukünftigen Agrarpolitik oder bei der Gentechnik.

00:53:58: Wenn du jetzt auf deinen Kassenzettel guckst, was steht da?

00:54:01: Wo geht die Reise für die Biolandwirte

00:54:03: hin?".

00:54:05: Ja das auch wir und anpassen und verändern müssen.

00:54:09: Also das spüren alle dass die Antworten von zehn vor zwanzig Jahren die wir hatten wahrscheinlich in den nächsten Jahren nicht mehr alle funktionieren werden.

00:54:18: dafür ist gerade eben der Klimawandel leider schon viel zu weit fortgeschritten Und auf die unsicherheiten, die geopolitischen Unsicherheiten werden wir uns auch berühren und betreffen.

00:54:28: Das braucht Anpassung.

00:54:30: Dafür braucht es eine starke Gemeinschaft, weil in der Regel ein Einzelner sich viel schlechter anpassen kann als eine starste Gemeinschafters.

00:54:36: Deswegen geht die Reise für uns in einer starken Gemeinsschaft weiter aber natürlich eben auch mit erheblichen Herausforderungen wo wir uns anpassen müssen.

00:54:44: Genau Stichwort Gemeinshaft da steckt ja ein ganzes Netzwerk dahinter.

00:54:49: Was ist das zum Beispiel unter jetzt mal ein paar zu nennen Die im Verband aktiv sind, um auch die Landwirtinnen und Landwirte zu unterstützen.

00:54:58: Wir sind allein schon von unserer Wikis Basis eine fantastische große starke regionale Gemeinschaft.

00:55:05: wir sind über neuntausend Erzeugerbetriebe sind über tausend vierhundert Betriebe in Gastronomie in Verarbeitung im Handel In Einzelhandel, in Großhandel.

00:55:15: Wir haben ganz kleine Manufakturen und eben auch große Konzerne in der Mitgliedschaft die sich alle den gleichen Werten, den sieben Bioland-Prinzipien als Leitstern gesetzt haben.

00:55:27: also das erstmal das was verbindet.

00:55:29: Was uns stark macht ist das Ehrenamt.

00:55:31: wir haben über sechshundert ehrenamtlich engagierte auch wieder in allen Bereichen aus der Landwirtschaft aber eben auch aus Verarbeitung auch an der Veränderung, an der Stabilisierung unserer Betriebe.

00:55:47: arbeiten.

00:55:49: Und dann haben wir noch über dreihundert Mitarbeiter, die vor allen Dingen ja dann draußen im Außendienst in der Beratung und in der Begleitung von Wertschöpfungsketten, von den Betrieben, von dem Umstellern als Experten dabei sind immer ansprechbar sind.

00:56:02: Wir haben eine Hotline für alle Bereiche, die möglichst immer erreichbar sind, bauen unsere digitalen Services aus, dass es leichter ist, Biolandbetrieb zu sein oder auch zu werden permanent am Ball zu bleiben, dass die Entscheidung biologisch zu wirtschaften sich eigentlich aus allen Perspektiven, aus allen Alltags bereichen.

00:56:26: Sich immer wieder als die Richtige erweist sowohl wenn ich meinen Boden angucke wirklich auch wenn nicht mein Konto anguccke aber vor allem auch wenn ich mein soziales Umfeld die Wertschätzung und mein eigenes Lebensgefühl meine Lebensqualität angucken.

00:56:40: Zum Abschluss noch eine letzte Frage.

00:56:43: Wo siehst du den Biolandbau in zehn Jahren?

00:56:48: Als den Stabilitätsanker im ländlichen Raum, in Landwirtschaft und Ernährung in Deutschland und in Europa als die gefestigte stabile Säule in immer unsichereren Zeiten also einen Anker ein Orientierungspunkt an dem sich immer mehr Menschen orientieren weil die Verbindung mit der Natur unsere Basis ist.

00:57:09: Also wenn wir uns nur an Technik orientieren oder an sozusagen unseren menschlichen Schwächen, Neid, Missgunst, Krieg dann werden wir als Menschheit keine gute Zukunft haben.

00:57:20: Wenn wir uns an einer Balance mit anderen Lebewesen, an einem Teilen der Lebensgrundlagen orientieren, an Mitmenschlichkeit und Diversität orientieren das sind genau eben die Werte die Bio stark gemacht haben und Bio ausmachen Dann sind wir ein guter Orientierungspunkt für ganz viele Menschen und auch für ganz viel andere Wirtschaftssektoren in ganz, ganz vielen Regionen dieser Erde.

00:57:53: Vielen Dank Jan für das Gespräch!

00:57:55: Aktuelle Infos zur Agrarpolitik finden Bioland-Mitglieder auch im Politikkanal in der Bioland App.

00:58:02: Und das war sie auch schon die erste Folge unseres neuen Podcast auf gutem Grund – diesmal mit redaktioneller Unterstützung von Leon Moor produziert von Michaela Natschke, Idee und Konzeption Inga Schneepel.

00:58:17: Ich bin Katja Stefan und in der nächsten Folge spreche ich mit Bioland-Landwirt Hilmar Cäsar und den Ackerbauberatern Simon Siedl und Hans Schiefereder über das Thema Umkraubbekämpfung.

00:58:29: Vielleicht hat der eine oder andere von euch ja auch dieses Jahr mit dem Ackerfuchsschwanz zu tun gehabt?

00:58:34: Und wenn dir ein Thema unter den Nägeln brennt, über das wir unbedingt mal sprechen sollten oder du uns Feedback geben möchtest, dann meld dich gerne unter socialmedia at BioLand.de.

00:58:49: Das war

00:58:50: auf gutem Grund!

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